Der Ukraine-Krieg auf der Berlinale - Vorab!

Der Ukraine-Krieg auf der Berlinale - Vorab!

Dieses Jahr widmet sich die 73. Berlinale in besonderem Maße den politischen Krisen und Konflikten in der Welt. Ein zentrales Anliegen der Filmfestspiele ist die Solidarität mit der Ukraine und dem Iran. Am 24. Februar 2023, also während des Festivals, jährt sich der Überfall Russlands auf die Ukraine. Angesichts des andauernden Angriffskrieges möchte die Berlinale erinnern und ein Zeichen setzen: für demokratische Werte, gegen Krieg, Zerstörung und Unterdrückung.

Insgesamt 9 Filme aus oder über die Ukraine werden auf der Berlinale gezeigt, darunter die mit Spannung erwartete Doku SUPERPOWER von Jean Penn und Aaron Kaufmann. Ursprünglich war der Plan, einen Film über Wolodymyr Selenskyjs Karriere vom Schauspieler und Komiker zum Staatschef zu drehen. Am Tag der russischen Invasion in die Ukraine waren Penn und Kaufman in Kyiv bei Dreharbeiten. Der Film nahm eine komplett neue Wendung. SUPERPOWER feiert seine Weltpremiere in der Reihe „Berlinale Special“.

In fast allen Sektionen der Berlinale beschäftigen sich Filme mit dem Thema Ukraine. In unterschiedlichen Formaten thematisieren sie die Anfänge und Folgen des Krieges und spiegeln die Situation der Menschen wieder. Ich habe mir im Vorfeld im „Forum“, im „Panorama“ und in der Reihe „Generation“ Werke über die Ukraine angeschaut (die Wettbewerbsbeiträge sowie die Filme von „Encounters“ und „Berlinale Special“ können auch wir Filmkritiker erst während des Festivals sehen). Drei dieser Filme haben mich besonders beeindruckt. Hier schon vorab kurze Infos, damit Sie die Filme im Fokus haben.

WE Will NOT FADE AWAY in der Sektion „Generation“ ist eine Dokumentation in Spielfilmlänge, (98 Minuten), Regie führte die ukrainische Regisseurin Alisa Kovalenko. Ein intensiver, berührender Film über fünf ukrainische Teenager, die von der Regisseurin in den Jahren 2019 bis 2022 in der Region Luhansk nahe der Frontline des Donbass beobachtet und portraitiert wurden. Die Jugendlichen träumen davon, heraus zu kommen aus der aussichtslosen Welt des Krieges, sie sehnen sich nach einem Leben in Freiheit, das sie nur durch das Internet kennen. Als ihnen die einzigartige Gelegenheit geboten wird, den Himalaya zu besteigen, verändert sich ihr Leben.

Das „Panorama“ zeigt IRON BUTTERFLIES, eine Dokumentation über den Abschuss des malaysischen Passagierflugzeugs Boeing MH17 auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur. Das Werk von Roma Liubyi kreist um die Frage, wer für den Absturz der Passagiermaschine verantwortlich war. Ein Film, der uns auch hilft, die jetzige Lage und den Krieg in der Ukraine besser einzuordnen und zu verstehen.

Im „Forum“ läuft W UKRAINE. Wie leben die Menschen in einem Land, das seit einem Jahr dem Krieg ausgesetzt ist? Wie sieht der Krieg jenseits der Nachrichtenbilder aus? Das polnische Regieteam Tomasz Wolski und Piotr Pawlus begibt sich auf eine erschütternde Erkundungsreise durch die Ukraine von den Städten im Westen über Kiew bis nach Charkiw. In unkommentierten Bildern der Verwüstung und Zerstörung und eindringlichen Beobachtungen der Menschen zeigen sie das Gesicht dieses Krieges.
Mehr zu den Filmen und ausführliche Kritiken gibt es von mir nach den Premieren während der Berlinale.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Weitere Beiträge

Berlinale 2025

Die 75. Internationalen Filmfestspiele Berlin – ein Resümee

veröffentlicht am: 25.02.2025

Die 75. Berlinale – ein Dreivierteljahrhundert gibt es dieses Festival nun schon. Es hatte seine Höhen und Tiefen, wurde nach einem Eklat 1970 abgebrochen, und doch ging es immer weiter. Die Berlinale entwickelte sich, passte sich den Zeitströmungen an, hatte gute und eher mittelmäßige Jahre. Sie reifte zu einem politischen Publikumsfestival heran und ist heute immer noch das größte Filmfest Deutschlands sowie eines der wichtigsten cineastischen Events in Europa und darüber hinaus.

Mehr lesen »
Filmkritik

DIE SAAT DES HEILIGEN FEIGENBAUMS – DER Film des Jahres

veröffentlicht am: 03.01.2024

Es gibt Filme, die stehen für sich: meisterlich gestaltet, politisch relevant und mit einer Entstehungsgeschichte, die selbst schon eine Verfilmung wert wäre.

DIE SAAT DES HEILIGEN FEIGENBAUMS (THE SEED OF THE SACRED FIG) des iranischen Regisseurs Mohammad Rasoulof ist so ein Meisterwerk. Zu Recht steht das Drama als bester internationaler Film auf der Shortlist für den Auslands-Oscar. Obwohl im Iran auf Farsi gedreht, kann der Film für Deutschland ins Oscar-Rennen gehen, weil er von einer deutschen Firma und zu großen Teilen mit deutschem Geld produziert wurde.

Mehr lesen »
Filmkritik

Filmkritik
IM HERZEN JUNG

veröffentlicht am: 27.07.2023

IM HERZEN JUNG – ehrlich gesagt, der Filmtitel hat mich nicht sehr überzeugt, sofort hatte ich Assoziationen von rüstigen Rentnern, mit oder ohne Enkel, die es hervorragend schaffen, ihr neues Leben zu organisieren. Diese Art von Komödien sieht man ja jetzt häufiger im Kino. Filmtitel sind Aushängeschilder, die deutsche Übersetzung trifft es nicht. Der Originaltitel LES JEUNES AMANTS (Die jungen Liebenden) dieses gelungenen Films – das sei gleich einmal gesagt! – weist in eine andere Richtung, wäre vielleicht treffender gewesen.

Mehr lesen »