Filmkritik EIN FEST FÜRS LEBEN

Filmkritik EIN FEST FÜRS LEBEN

Eine deutsche Komödie die funkt und funktioniert, das gibt es nicht so oft im Kino zu sehen, das ist erfreulich. Normalerweise sitzen Journalist*innen ja eher lässig und verhalten in den Pressevorführungen, überzogene Gefühlsausbrüche sind selten, gelten als unprofessionell. Doch in EIN FEST FÜRS LEBEN habe ich mich mehrere Male bei ausgiebigen Lachsalven ertappt; die Situationskomik sitzt, die Dialoge sind witzig und die Schauspieler sind hervorragend gecastet.

Es geht um den vermeintlich glücklichsten Tag des Lebens: um eine Hochzeit. Die Feier wird jedoch nicht aus der Sicht des Brautpaares geschildert, sondern im Mittelpunkt steht das Chaosteam hinter den Kulissen, allen voran der Veranstaltungsunternehmer Dieter Salzmann (Christoph Maria Herbst). Sehenswert wie er mit spitzen Bemerkungen, ironischen Seitenhieben und bösen Blicken versucht, sein bunt gewürfeltes Team in den Griff zu bekommen, keine leichte Aufgabe, jedes Crewmitglied hat seine eigenen Lebenskrisen.

Der Stoff ist nicht neu, es gibt eine Vorlage: EIN FEST FÜRS LEBEN ist das Remake der erfolgreichen französischen Komödie DAS LEBEN IST EIN FEST, Originaltitel: LE SENS DE LA FETE von Olivier Nakache und Éric Toledano aus dem Jahr 2017. Interessant übrigens, dass inzwischen europäische Filme nicht nur in den USA ihr Remake erleben, sondern die europäischen Nachbarländer auch untereinander Neufassungen inszenieren. In diesem Fall auch nachvollziehbar, da der Erfolg des französischen Originals auch auf dem Sprachwitz basiert, der ist bekanntlich nicht eins zu eins ins Deutsche zu übertragen.

Regisseur und Drehbuchautor Richard Huber verlegt in seinem Kinodebüt die französische Vorlage nach Deutschland. Er spitzt weiter zu, indem er die besten Gags übernimmt, schwächere Dialoge meidet und den Slapstick auf die Spitzte treibt, ohne dabei im schrillen Klamauk zu enden. Auch mit der Wahl seiner Schauspieler zeigt er Gespür, allen voran Christoph Maria Herbst als frustrierter, überforderter Eventmanager.

Der Film folgt der Chronologie der Hochzeit, von den ersten Vorbereitungen bis zum nächsten Morgen, Dieter gibt den Zeremonienmeister, er ist die Zentralfigur des Films, um die sich alle Beteiligten scharen.

Schon vor dem Start des großen Ereignisses in einem, wie sich herausstellt nur äußerlich prächtigen Schloss, läuft einiges schief. Krach zwischen Dieters ehrgeiziger Assistentin Jella (Cynthia Micas) und dem arroganten Entertainer und Sänger Steve (Marc Hosemann); der Hochzeitsfotograf Marcel (herrlich, Jörg Schüttauf) ist schon von Haus aus genervt, er hat seinen Job satt und treibt sich lieber am Büfett herum und der depressive Aushilfskellner Florian (Johannes Allmeyer) erkennt in der Braut seine einstige große Liebe wieder.

Das ist erst der Anfang, eine Panne jagt die nächste, das Hauptmenü ist verdorben, das Licht fällt aus, der selbstverliebte Bräutigam entschwebt ungewollt in die Lüfte. Das alles ist treffsicher in Szene gesetzt, in zielgenauen Dialogen inszeniert, ein Ensemblefilm, in dem jeder Schauspieler sein Bestes gibt.

Ein wichtiges Merkmal für das Gelingen des Remakes ist auch die Figurenzeichnung. Richard Huber verrät seine Figuren nicht, die sind vielleicht eitel, gestresst und genervt, doch alle Beteiligten dürfen auch ihre sympathischen Seiten zeigen, Klischees und Stereotypen werden geschickt umschifft.

EIN FEST FÜRS LEBEN – keine tiefschürfende Gesellschaftssatire, aber eine amüsante, unterhaltsame Komödie über Menschen, Macken und Hochzeitsdesaster.

Filmtitel EIN FEST FÜRS LEBEN
Regie Richard Huber
Drehbuch Richard Huber
Verleih Warner Bros. Pictures Germany [de], 2023
Filmstart 19.10.2023

Copyright Warner Bros. Pictures Germany [de]

Meine Bewertung:

4/5

4/5

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